Nach dem medizinischen Leitsatz „eine gute Anamnese ist ¾ der Diagnose“ als Voraussetzung für die weitere Therapie wird zusammen mit dem Patienten das Genogramm erstellt.
Dabei werden alle zum System dazugehörigen Personen wenn möglich über 4 Generationen bis zu den Urgroßeltern mit genauen Daten in der Ordnung der Zeit in Form eines Stammbaumes eingetragen und auch Beziehungsmuster notiert:
Dabei wird besonderes Augenmerk auf schicksalhafte Einschnitte und „nichtgelebtes Leben“ gerichtet, wie z.B. früher Tod, Krankheiten, Funktionsausfälle, Trennungen, Scheidungen, Heimatverluste, ausgeschlossene Familienmitglieder etc.
Man kann zwei verschiedene Systeme unterscheiden:
Das Herkunftssystem ist das System, in das man hineingeboren wurde und das als Kern Geschwister, Eltern, Groß- und Urgroßeltern und deren jeweiligen (Halb-) Geschwister (= (Groß-) Tanten/ (Groß-)Onkel), umfasst.
Zum Gegenwartssystem gehören Partner (incl. ehemaliger Partner), Kinder und Stiefkinder. Auch Fehlgeburten und abgetriebene Kinder werden dazu gerechnet!
Je nach Anliegen steht zunächst die Herkunfts – oder Gegenwartsfamilie im Vordergrund.
Ziel der Genogrammarbeit ist das Einbeziehen aller Familienmitglieder und das Aufdecken von sich wiederholenden Mustern, Verstrickungen u./o. repräsentierenden Funktionen von Organen/Symptomen und übernommenen Stellvertretungsaufgaben des Patienten - auch als Grundlage für die anschliessende Aufstellungsarbeit.
Die Erstellung des Genogramms hat über die reine „Faktensammlung“ hinaus noch weitere wichtige Bedeutungen!
Genogramm – Analyse
Neuere Erkenntnisse zeigen, dass es nicht zufällig ist, in welchem Alter jemand mit welcher Symptomatik zur Therapie kommt und dass die eigene Position in der Geschwisterreihe einen entscheidenden Einfluss auf die Art der Schicksalsbindungen ausübt (“Familienbiographik”).
So führen die drei Fragen
1. Warum hat der Patient gerade jetzt in diesem Lebensalter, das Symptom/die Erkrankung (bekommen)? 2. Warum gerade hier an diesem Platz in seiner Geschwisterreihe/in seinemFamiliensystem? 3. Warum gerade somit diesen Symptomen/Problemen?
schon im orientierenden Vorgespräch, und dann vertiefend bei der Genogrammerstellung bzw. -analyse, entscheidend in Richtung Aufdeckung übernommmener Stellvertretungsaufgaben führen. Diese können als un–möglicher Ausgleichsversuch unbearbeiteter Lebensthemen der Familiengeschichte verstanden werden und in der Krankheit und Symptomatik des Patienten zum Ausdruck kommen.